Finissage Gekreuzte Wege

Unter dem Titel „Gekreuzte Wege“, stellte der Künstler Peter Klak von Mai bis Juli 2019 im Heinrich-Fries-Haus Malerei, Fotografie und Bildhauerei aus. Bei der gestrigen Finissage führte der Künstler noch einmal selbst durch die Ausstellung. Wer Bilder, Skulpturen oder einen Druck erwerben wollte, fand dazu ebenfalls Gelegenheit.
Musikalisch begleitet wurde der Abend von Pit Bäuml, Vorsitzender der Umweltgewerkschaft Heilbronn. Lieder wie die Ballade vom brasilianischen Arbeiter und Umweltschützer Chico Mendes, oder "New Orleans" von David Rovics (Deutsche Übersetzung Pit Bäuml), unterstreichten die Themen, die Peter Klak in seiner Kunst verarbeitete.

Laudatio Dr. Martina Kitzing-Bretz bei der Vernissage:

Die Fotografie des Titelmotivs, die Peter Klak „Das Kreuz mit dem Kreuz“ genannt hat, zeigt eigentlich verschraubte Betonplatten der Rosenbergbrücke Heilbronn, die er zu einer Fotomontage kombiniert und bearbeitet hat, um die sich kreuzenden Strukturen zu gewinnen. Die Assoziation mit dem christlichen Symbol des Kreuzes stellt sich beim Betrachter ein. Er denkt an das Monogramm oder an das Andreaskreuz mit schrägen Balken. Der Apostel Andreas soll auf einem Kreuz dieser Form hingerichtet worden sein.

Doch auch in anderen ausgestellten Werken von Peter Klak kreuzen sich die Wege, und die Exponate gehen in ihrer offenen Bedeutung weit über die Ursymbolik des Christentums hinaus. Die gekreuzten Wege werden darin zu einem Sinnbild „neuer Verbindungen“, wie es der Künstler selbst formuliert. In seiner Objektkunst beispielsweise kombiniert er vorgefundene Objekte und stellt sie in einem ungewohnten, neuen Zusammenhang dar. So steckte er auf eine Turbinenschaufel, die er vom Schrottplatz mitbrachte, einen sich verzweigenden Ast und verband diesen wiederrum mit einem Stück verrosteten Eisens. Es entstand eine zeichenhafte Skulptur, die er auf einem schwarzen Sockel mit hölzerner Deckplatte ausstellt. Die Farbe Rot verbindet die Objekte der Plastik miteinander, indem das Rostrot des verwitterten Metalls einen Widerhall findet in dem Dunkelrot des Schaufelblattes. Doch auch Gegensätze kommen in der Skulptur zusammen: Das industrielle Relikt der Turbine ist mit dem Zweig als ein Stück Natur eine widersprüchliche, aber hoffnungsvolle Symbiose eingegangen.
Außerdem lassen der Rost und das rostige Rot Vergänglichkeit anklingen, die sich auf den abgebrochenen, aufgelesenen Ast genauso beziehen lässt wie auf die weggeworfene Turbinenschaufel.

Das Vergängliche schwingt in der Ausstellung von Peter Klak auch in seiner aufgesockelten Skulptur eines männlichen Kopfes aus verwittertem Kirschholz mit. Das Holz stammt von Bäumen in Gärten seiner Verwandtschaft oder der Nachbarn, die ihn mit notwendigem Material versorgen. Nussbaumholz oder Holz vom Kirschbaum mit Wucherungen, Rissen und lebhafter Maserung dienen dann dem Künstler zur Bearbeitung für seine Plastik.
Zunächst rückt er dem Holzklotz mit einer kleinen Kettensäge zu Leib und holt die figürlichen Formen nur grob aus dem Naturstoff heraus. Um die organisch gewachsene Form des Holzes zu bewahren, bearbeitet er es weiter mit dem Stechbeitel, ohne viel wegzunehmen und damit die Charakteristik des Materials zum Ausdruck zu bringen.
Die kantigen Formen des herausgearbeiteten, urwüchsigen Gesichts bilden mit Nase und Mund eine Mittelsenkrechte, mit der die waagerechte Augenpartie kreuzt. Wieder ergibt sich für den Betrachter die Assoziationsmöglichkeit zu dem Ausstellungsthema „Gekreuzte Wege“.

In dem farbigen Blatt „Beinahe entzweit“ beispielsweise stellt er auf dem grünen Boden einer freien Naturlandschaft unter blauem Himmel einen stämmigen Baum dar. Wie in einer Metamorphose der Natur, wie in einer Begegnung von Natur und Mythos, geht der Baumstamm in zwei menschliche Hände über. Eine schwarze Keilform, die vom oberen Blattrand aus in den Baum eindringt, trennt die Baumkrone der beiden Menschenhände voneinander, droht den gesamten Baum zu spalten.
Die Hände verkörpern mit einerseits glatter, andererseits faltiger Haut Wachstum und Alterung von Mensch und Baum zugleich. Auf der gealterten Seite hat sich die Baumrinde stellenweise vom Stamm gelöst, und ein paar kahle Äste verweisen nicht nur auf den Alterungsprozess, sondern auch auf den Prozess des Absterbens des Baums.
Peter Klak deutet mit dem Naturmotiv das bedrohte Ökosystem des Menschen und der Natur an. In dem Bild kreuzen sich bildhaft die Wege von Zerstörung und Wachstum der Natur. Gleichzeitig lässt sich die Kreuzform des Baums, die durch den Keil und die Verästelung beziehungsweise das seitliche Auseinanderlaufen der Hände entsteht, mit dem Baum des Lebens vergleichen: Der Baum des Lebens, herausgewachsen aus dem Stumpf des Kreuzes Christi auf Golgatha, als christliches Symbol der Hoffnung auf ewiges Leben.

So zeigt Peter Klak in einem Tuschebild der Ausstellung eine Gruppe von Flüchtenden, die aus den Nachrichtensendungen von Heute übernommen sind, zusammen mit einem Flüchtlingstreck mit Leiterwagen, die der Nachkriegszeit entnommen sein könnten. Ihnen folgt als schattenhafte Umrissfiguren die heilige Familie, also Josef, der Maria und das Kind Jesus auf dem Esel führt, auf der biblischen Flucht von Bethlehem nach Ägypten. „Die Geschichte wiederholt sich“, kommentiert der Künstler die Verbindung der unterschiedlichen geschichtlichen Ebenen vom Neuen Testament über die Zeit nach 1945 bis zur Gegenwart in seiner Darstellung. Die drei Gruppen der Flüchtigen bewegen sich auf einem imaginären Weg, der über einen ausgestreckten Arm und zwei ausgestreckte Hände, die sich fast berühren, führt. Mit diesem Motiv zitiert Peter Klak das berühmte Bildmotiv von Michelangelo an der Sixtinischen Decke in Rom, auf die der Renaissancekünstler Anfang des 16. Jahrhunderts die Schöpfungsgeschichte, darunter die Erschaffung Adams malte. In dem bekannten Ausschnitt des Freskos ist der Moment dargestellt, als Gott der Schöpfer seine Rechte ausstreckt, um seinem ersten menschlichen Geschöpf Leben zu verleihen. Dabei sind die Finger der beiden Hände kurz davor, sich zu berühren, bevor der Lebensfunke überspringen wird. Peter Klak stellt den Arm des Adam stark behaart dar und verweist damit auf das Animalische im Menschen, das zu menschlichen Dramen wie Flucht und Vertreibung führen kann.