Feierlicher BUGA-Eröffnungsgottesdienst

Leben schmecken“ – BUGA-Eröffnungsgottesdienst in der Kilianskirche im Zeichen des Löffels

„Was hat denn ein Löffel mit der Bundesgartenschau in Heilbronn zu tun?“ Diese Frage stellte Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July, Evangelische Landeskirche in Württemberg, in den Mittelpunkt seiner Predigt beim ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn. Bischof Dr. Gebhard Fürst, Diözese Rottenburg-Stuttgart, sprach die besondere Verantwortung des Menschen für die Schöpfung an, eine Verantwortung, die wir nicht nur für uns, sondern auch für die nachfolgenden Generationen hätten. Er zeigte sich dabei erfreut, dass die Jugend aktiv werde und erwähnte in der bis auf den letzten Platz besetzten Kilianskirche auch das Treffen zwischen der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg und Papst Franziskus.

Gemeinsam im Zwiegespräch mit den Kindern des Katholischen Kindergartens Heilig Kreuz in Heilbronn-Böckingen sowie des evangelischen Familienzentrums Schillerstraße Heilbronn wurde am Beispiel kindlich gestalteter Löffel das Thema „Leben schmecken“ des Kirchenauftritts auf der Bundesgartenschau bunt und dennoch tiefsinnig besprochen, oder, wie es Bischof Gebhard Fürst einleitend ansprach: „Gemeinsam wollen wir dem Leben auf die Spur kommen, wollen wir verkosten, wie uns Gott in seiner Schöpfung nahe ist“.

Löffel, wohin das Auge in der Kilianskirche fiel: Von Kindern bunt und liebevoll bemalt, als Löffelblume auf dem Liedblatt. Der Löffel, das Symbol des Kirchengartens des ökumenischen Projektes „Kirche auf der BUGA“ mit dem zum Nachdenken verleitenden Motto „Leben schmecken“. Wie formulierte Landesbischof July mit Hinweis auf den Slogan der Bundesgartenschau: „Blühendes Leben, das ist das Motto der Bundesgartenschau und bildet den Anfang. Jetzt im Frühling sehen wir es überall, auf Wiesen und an Bäumen: alles beginnt mit der sich langsam öffnenden Blütenknospe. Wenn die Blütenblätter welken und herunterfallen, wandelt sich das Bild. Und am Ende der Bundesgartenschau wird es soweit sein, wir werden Früchte ernten können. Und gemeinsam Leben schmecken. Blühendes Leben – Leben schmecken, da ergibt sich ein Bogen. Von der Eröffnung im Frühling bis zum Abschluss mit dem Erntedankfest“.

Im Stadt- und Landkreis Heilbronn haben sich viele Kindergärten in den vergangenen Monaten besonders mit dem Thema „Leben schmecken“ beschäftigt. Und ihre Gedanken dabei spielerisch auf große Holzlöffeln einer Aktion von „Kirche auf der BUGA“ aufgebracht.  Zum Beispiel mit Fingerabdrücken,  „da sind auch Obst und Tiere und Blumen dabei“. Und alle haben an der bunten und lebendigen Gestaltung mitgewirkt, denn „der Löffel war in allen Gruppen und wir haben ihn zusammen bunt gemacht“.

Ein Stichwort, das der Landesbischof aufgriff: „Unser Leben ist bunt! Und Gottes Familie ist bunt! Jeder, jede von uns bringt seine und ihre Farbe ein. Alle gehören dazu. Und erst wenn alle einen Platz haben, wird es richtig farbenfroh und schmackhaft! Auch die BUGA soll die Farbenvielfalt der Schöpfung zeigen! Nicht nur in den farbenfrohen Blumenbeeten. Sie ist ein Fest des Friedens. Sie ist für alle offen. Hier können wir einander begegnen. Denn nur gemeinsam können wir Leben schmecken“.

Auf einen weiteren gestalteten Löffel eingehend, der zeigte „was für uns Kinder wichtig ist und welche Zutaten wir Menschen zum Leben brauchen“ betonte Landesbischof July: „Die BUGA zeigt uns, wie wir für alle Kinder dieser Erde eine Zukunft möglich machen können. Sie zeigt, was wichtig ist, um die Natur zu schützen. Damit auch in Zukunft alle Menschen Leben schmecken können. So freuen wir uns während der BUGA an Gottes Schöpfung – aber auch, mit wie viel Kreativität Menschen neue Gärten und Lebensmöglichkeiten gestalten können!“

Seine Freude, an dem besonderen Ereignis dieser Eröffnung teilhaben zu dürfen, drückte Bischof Gebhard Fürst aus: „Denn das, was wir hier sehen und das, was hier wächst und noch wachsen wird, ist mehr als der perfekte grüne Daumen der hier am Werk war und noch weiterwirken muss. Das, was hier gedeiht, ist auch mehr, als die geschickte Inszenierung perfekter Natur. Und doch ist die so schön gestaltete Landschaft mit der üppigen Pracht der Blumen und Pflanzen ein irdisches Schau-Fenster hinein in einen paradiesisch schönen Garten. Ein Schau-Fenster hinein in eine paradiesische Wirklichkeit, die wir Menschen selbst zwar verloren haben, die aber da und dort zum Vorschein kommt: im Erleben von Schönheit – Ordnung – Lebendigkeit und Frische – Fruchtbarkeit: von freudiger Begegnung…“

Die gestaltete Natur, die hier so eindrucksvoll dargestellte Verbindung der Elemente Erde, Wasser, Luft, ist das, was uns an einer Gartenschau reize. Dies wecke unsere Sinne, all das inspiriere uns, die Natur im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Bischof Fürst wörtlich: „Ein Garten als Kontinuum der großen Geschichte Gottes mit den Menschen: Am Anfang der Zeit, so der Mythos unseres Glaubens, stand ein Garten, der gut war, in dem es wimmelte vor Leben. In diesen Garten setzte Gott die Menschen und gab ihnen sprechende Namen: Adam – Mensch geformt aus Erde, und Eva, übersetzt: die am Leben bleibt. Was für ein Zeichen liegt allein in diesen Namen: Mensch. Am Leben bleiben“. Gott lasse uns Menschen teilhaben an seiner Sorge um die Schöpfung. Gerade das sei das Besondere in der Beziehung zwischen Gott und den Menschen, dass wir sie, seine Geschöpfe mit Gott, dem Schöpfer mitdenken, mitplanen und mitwirken können und dürfen.

Auch stellte Bischof Fürst einen aktuellen Bezug her: „Gott überträgt den Menschen eine besondere Verantwortung für die Schöpfung. Diese Verantwortung übernehmen wir nicht nur für uns, sondern auch für die nachfolgenden Generationen. Mit den „Fridays For Future“, weist uns die junge Generation gerade regelmäßig auf unsere Verantwortung für die Schöpfung hin. Denn vor allem die nachfolgenden Generationen werden die Leidtragenden des Klimawandels sein und für die Fehler der vorhergehenden Generationen büßen müssen“. In dieser Verantwortung wären wir aufgefordert, die Schöpfung zu bewahren und der Natur dankbar das zurückzugeben, was sie uns schenkt, betonte Bischof Fürst: „Dankbarkeit erweisen wir im schöpfungsfreundlichen Handeln. Durch einen Lebensstil, der Natur, Umwelt und Klima nicht zerstört, der Gottes Schöpfung dort heilt, wo sie von uns Selbstherrlichen verletzt ist. Denn die Fürsorge des Schöpfergottes gilt nicht nur dem Menschen, sondern der gesamten Schöpfung: So ist der Mensch nicht „shareholder, Teil-Haber, sondern Treuhänder der Schöpfung.“ Das könnten wir von einer Garten-Schau lernen.

An der Liturgie beteiligt waren neben den beiden Bischöfen Pfarrerin Esther Sauer, Evangelische Projektleitung, Peter Seitz, Katholische Projektleitung, Pastor Martin Grawert, Evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten), Elyas Gelen, Syrisch-orthodoxe Kirche, Bernd Werner, Neuapostolische Kirche, Pastor Tilmann Sticher, Evangelisch-methodistische Kirche. Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Chor am Deutschordensmünster Heilbronn, dem Bach-Chor Kilianskirche Heilbronn sowie dem Streichorchester Collegium Musicum Kilianskirche und Bläser.Leitung und Flügel KMD Stefan Skobowsky, Kantor an der Kilianskirche, Orgel KMD Michael Saum, Kantor am Deutschordensmünster.