Ein Kreuzweg der hinblicken lässt

Am Freitag den 12. April zogen über 40 Teilnehmer mit Trommel, schwerem Holzkreuz, Banner und bemalten Gesichtern, in Erinnerung an den Kreuzweg von Jesus Christus, durch die Innenstadt Heilbronns. Thema des Kreuzweges war „Kreuzweg unseres Lebens – in Blick nehmen“. In Blick wurden die Menschen genommen, die in der heutigen Zeit in ihrem Leben ein Kreuz zu tragen haben. „Oft sehen wir diese Menschen nicht und ihre Leidensgeschichte geht unter“ sagt Joachim Kühner von der KAB (Kath. Arbeitnehmerbewegung) und Mitinitiator, „doch an diesem Tag nicht! Wir wollen diese Kreuze in den Blick nehmen und sie klar benennen.“
Von der evangelischen Nikolaikirche führte der Kreuzweg zum katholischen Heinrich-Fries-Haus, unterbrochen von Stationen im Stadtzentrum, in denen schwierige Lebenssituationen klar zur Sprache kamen.
Am Spielplatz in der Innenstadt, wurde sinnbildlich eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern in den Blick genommen, die unter dem zu geringem bezahlbaren Wohnraum zu leiden hat.
Es wurde auf die Kinder hingewiesen, die unter sexueller Gewalt leiden, die im Schnitt sieben Personen ansprechen müssen, bis einer von ihnen ihr Leiden wahrnimmt. Gefolgt von der Station am Kiliansplatz. Dort wurde das Auge auf die unfaire Produktion und die Ausbeutung von Näherinnen in Bangladesch geworfen. Auch das Thema Brain-Doping, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein und die steigende Anzahl unter Burn-out und Depression Leidender in Deutschland, wurde angesprochen. Dazu bot sich symbolisch die Apotheke am Wollhaus an.
Das 14-köpfige Organisationsteam, bestehend aus Mitgliedern der KAB, der Betriebsseelsorge, dem Arbeitskreis Leben und dem Dekanat Heilbronn-Neckarsulm, machte auch vor den Themen Suizid nicht halt. An der Brücke am Götzenturm räumten sie mit gängigen Vorurteilen auf und beteten für die Opfer und deren Hinterbliebene. Der Blick auf das Thema Pflegenotstand und die Überlastung der Mitarbeiter rundete den „Kreuzweg unseres Lebens“ ab.
Der Abschluss fand im Heinrich-Fries-Haus im Raum der Mitte statt. Ein kleines Licht, an jeden Teilnehmer verteilt, lenkte den letzten Blick an diesem Abend auf Jesus Christus. Ein Symbol der Hoffnung, mit dem alle Teilnehmenden am Ende an eine lange Tafel zu Wein und Käse eingeladen waren. Ein Zeichen der Stärkung und Solidarität, sowie die Möglichkeit, sich über das in Blick genommene auszutauschen.
Josef Krebs von der Betriebsseelsorge und Mitinitiator ist am Ende der Veranstaltung zufrieden „die Themen, die wir hier angesprochen haben waren keine leichte Kost, auch nicht in der Vorbereitung, doch bei uns Christen endet der Kreuzweg ja nicht mit dem Tod, sondern mit dem Glauben und die Hoffnung an die Auferstehung“.