„Anrufen hilft!“ Kinderschutz in Zeiten von Corona

Unser aller Zusammenleben wird in diesen Tagen durcheinander gerüttelt und auf den Kopf gestellt. Von vertrauten Freund*innen und Kolleg*innen, auch von den Großeltern sind wir getrennt, mit unseren engsten Familienmitgliedern leben wir dagegen so nah zusammen wie lange nicht. Für Kinder und Jugendliche, die von sexuellem Missbrauch betroffen oder bedroht sind, kann die Schließung von Einrichtungen und Schulen und die gleichzeitige Ausweitung der digitalen Kommunikation Chancen und Risiken bedeuten. Sie brauchen – wie immer – Erwachsene, die sich für ihren Schutz verantwortlich fühlen.

Kinder, die bisher in einer Einrichtung, in Schule oder Freizeitaktivitäten sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind, können jetzt durchatmen. Der übergriffige Mensch erreicht sie jedenfalls nicht mehr persönlich.

Vielleicht finden diese Kinder jetzt den Mut, sich jemandem anzuvertrauen – allerdings vermutlich vorsichtig und vielleicht nur verschlüsselt. („Der/die … ist manchmal so komisch.“) Für eine Mutter oder einen Vater kann das ein Schock sein. Alle Vertrauenspersonen sollten folgende Grundregeln beachten:

  • Ruhe bewahren und nicht überstürzt handeln!
  • Aufmerksam zuhören und die Aussage des Kindes ernst nehmen.
  • Die Botschaften geben: „Du bist nicht schuld. Gut, dass du dich mitgeteilt hast!“
  • Keine unerfüllbaren Versprechen geben.
  • Kurz und sachlich notieren: Wer sagt oder tut was in welcher Situation?
  • Weitere Schritte mit dem Kind besprechen.
  • Keine Informationen an die/den Verdächtigte/n geben!
  • Eigene Grenzen achten und sich selbst Hilfe holen.

Hilfe für Betroffene und Vertrauenspersonen gibt es per Telefon und im Internet:
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch 0800 22 555 30
www.save-me-online.de

Auch viele Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt sind telefonisch und online erreichbar. Die Liste der Beratungsstellen auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart finden Sie hier: Übersicht Beratungsstellen PFL 20190308

Häufig findet sexueller Missbrauch aber auch innerhalb der Familie statt. Diese betroffenen Kinder und Jugendlichen sind jetzt dem Täter oder der Täterin stärker ausgeliefert.

Möglicherweise schicken die Betroffenen bei kurzen Begegnungen oder auf digitalen Wegen Signale, dass es ihnen nicht gut geht.

Bitte gehen Sie darauf ein und zeigen Sie, dass Sie trotz der räumlichen Distanz für das Kind/ den Jugendlichen da sind! Dann gilt das Gleiche wie oben ausgeführt (Grundregeln etc.).

Anrufen hilft! 0800 22 555 30

Die digitale Kommunikation hilft derzeit, Schule und Arbeit aufrechtzuerhalten. Es gibt aber auch viel Leerlauf, den Kinder und Jugendliche bei Online-Spielen u.ä. verbringen. Dort sind leider auch Pädokriminelle schon lange unterwegs. Die Täter*innen im Internet haben es momentan besonders leicht. In Chats und Foren erschleichen sie sich das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen. Fast jeder 2. Jugendliche wird im Internet sexuell angemacht.

Gute Informationen und hilfreiche Tipps zum Schutz der Minderjährigen finden Sie auf der Seite von „Innocence in Danger e.V.“.

Für alle möglichen Notlagen finden Eltern auf der Seite www.elternsein.info eine Übersicht an professionellen und ehrenamtlichen Beratungsmöglichkeiten per Telefon oder Online-Beratung in der Corona-Krise. Selbstverständlich stehen auch die Krisendienste der Jugendämter und die Polizei für Beratung und notfalls schnellen Schutz von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung.

Kommen Sie gut durch diese besondere Zeit und passen Sie auf sich und die Kinder und Jugendlichen auf!

Sabine Hesse, 24.03.2020, www.praevention.drs.de