Advent – aufbrechen nicht ohne Zuversicht

Aufbrechen nicht ohne Zurücksehen, Neustart nicht ohne Vorbereitung, erwarten…
In vier großen Schritten gehen wir auf Weihnachten zu.

Die Adventszeit begleitet unser Unterwegssein und unsere Vorbereitung auf der Zielgeraden.

Das neue Kirchenjahr mit seinen Festen und Festkreisen beginnt mit dem 1. Advent und läutet den Weihnachtskreis ein. Die Adventszeit lädt uns ein, aufzubrechen und uns auf Den vorzubereiten, der bei uns ankommen will.

Gott ist aufgebrochen, um im Kind in der Krippe bei uns anzukommen.
Gott ist Mensch geworden vor mehr als 2000 Jahren im Stall zu Bethlehem.
Gott wird auch heute Mensch in unserer Welt und in unserer Zeit.
Er hat uns in Jesus von Nazareth gezeigt, wie wir als Menschen leben sollen. So, dass nicht mehr gilt: der Mensch ist dem Menschen ein Wolf – homo homini lupus – sondern der Mensch ist dem Menschen ein (Mit)-Mensch, einer der aus Liebe und Barmherzigkeit heraus handelt.

Gott bricht auf zu uns. Brechen auch wir auf und machen uns auf den Weg – Ihm entgegen. Aber dieses Aufbrechen ist gar nicht so einfach. Wer aufbricht, muss bereit sein, seine „Komfortzone“, das was bekannt und vertraut ist, was Sicherheit gibt, hinter sich zu lassen und sich auf Neues, Unbekanntes einzulassen.
Wenn wir diese harte Schale aufbrechen oder aufbrechen lassen, dann kommen wir selbst zum Vorschein. Wir als Menschen, mit unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten, aber auch mit unserer Bedürftigkeit, mit unserer Sehnsucht nach Liebe, Nähe und Geborgenheit. Wenn wir unsere harte Schale aufbrechen lassen, dann machen wir uns verletzlich und angreifbar, aber gerade so liebenswert für Gott und die Menschen.

Stellen Sie sich doch mal eine Walnuss vor: Auf den ersten Blick sieht sie gewöhnlich aus. Wir wissen, sie hat eine harte Schale, hinter der sich ein Samen verbergen kann. Um an diesen heranzukommen, muss die Schale aufgebrochen werden.
Die Walnuss soll symbolisch dafür stehen, dass wir uns aufbrechen lassen müssen, damit wir mit unserer Menschlichkeit wieder zum Vorschein kommen können. Und vielleicht entdecken wir in uns was vorher nie bewusst gewesen.
Der Mensch soll dafür sorgen, dass der Himmel in ihm komme. Dafür müssen wir uns klein machen und die Eigenschaften annehmen die uns Kindern ähnlich machen. Kinder haben die Fähigkeit, uneingeschränkt zu vertrauen. Ihre Wünsche und ihre Sehnsüchte sprechen sie einfach aus.

Erich Kästner schrieb folgenden Brief an die Kinder:

„Lasst euch die Kindheit nicht austreiben! Schaut, die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nichts mehr gilt. Ihr Leben kommt ihnen vor wie eine Dauerwurst, die sie allmählich aufessen, und was gegessen worden ist, existiert nicht mehr…
Müsste man nicht in seinem Leben treppauf treppab gehen können?
Was soll die schönste Etage ohne den Keller mit den duftenden Obstborden und ohne Erdgeschoss mit der knarrenden Haustür und der scheppernden Klingel?
Nun, die meisten leben so! Sie stehen auf der obersten Stufe, erst waren sie Kinder, dann werden sie Erwachsene, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!“

Beherzigen wir auch diese Worte und richten uns gespannt auf das Ereignis aus. Es trifft uns immer wieder neu.

In diesem Sinne machen wir uns schon mal auf den Weg. Das alte Jahr geht zu Ende und wir blicken zurück: Für die freundlichen Worte, für die persönlichen Begegnungen, für die Zusammenarbeit und für alles gut gemeinte danken wir und wünschen erfüllte und gesegnete Weihnacht.

… und Sie, Sie gehen doch mit!?

Ihre Dekanatsgeschäftsstelle

Michael Dieterle                           Wilhelmine Maria Fuss
Dekanatsreferent                         Verwaltung